Neuer Partner in Nepal – Riverkunda Helping Society (Stand Juli 2021)

Im Schatten unseres großen Partners Himalayan Trust Nepal, mit dem wir seit dem 1. April 2021 zusammenarbeiten, haben wir parallel auch einen kleinen Partner gewonnen. Wie es dazu kam und wer das ist, möchten wir hier erklären.

Vor ca. 2 Jahren startete unser Langtang-Projekt. In dem beliebten Trekkinggebiet, das 2015 zusätzlich schwer von den Erdbeben betroffen war, gibt es aufgrund der rückläufigen Kinderzahlen seit Jahren keine Schulen mehr. Wir wollten Kindern aus dem schönen Tal, trotzdem eine Chance aufSchulbildung geben. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die Kinder – abseits ihrer Heimat – in einem Internat zur Schule gehen. 

Die Idee für dieses Projekt erreichte uns direkt aus dem Langtang-Tal. Lhakpa Tamang ist ebenfalls dort zu Hause. Der heute 24-jährige wurde von seinen Eltern in ein Kloster geschickt, da auch sie sich das Geld für eine Schule nicht leisten konnten. Dort hat er neben einer spartanische Grundschulausbildung auch ausländische Klosterbesucher geführt. Letzteres kam seinen Englischkenntnissen sehr zu Gute.

Die Nepal Kinderhilfe e.V. (NKH) fragte Lhakpa nach den Beweggründen für seine Projekt-Idee.

LHAKPA: Ich war 15 Jahre in einem Kloster, lernte Rechnen und Schreiben und alltägliche Dinge wie Kochen und Haushalten, studierte Buddhismus. Nach dem Erdbeben ging ich zurück in mein Dorf, um meiner Familie zu helfen. Ich gründete ein kleines Geschäft. Ich weiß, wie schwierig es im Leben ist, ohne Qualifikation zu leben. Daher wollte ich anderen Familien helfen, bedürftige Kinder „zu sammeln“, sie zur Schule schicken und sie ein gutes Leben führen sehen. Als ehemaliger Mönch habe ich Interesse zu helfen. Aber ich wusste, ich musste eine ausländische Organisation finden, die mir hilft. Also habe ich viel herumgefragt.

NKH: Und so hast du uns gefunden. Ist es denn den Kindern und auch den Eltern recht, dass die Kinder dann so weit weg sind?

LHAKPA: Die Kinder leben dort ganzjährig mit ihren gleichaltrigen Klassenkameraden im Internat. In den Ferien haben sie dann Gelegenheit, ihre Eltern zu besuchen. In Nepal bedeutet das, viel Bildung und Freizeit für die Kinder, die zu Hause auch schon in jungen Jahren den Eltern bei den Feldarbeiten helfen müssten. Alle wissen, dass Bildung Zukunft bedeutet. Wir hatten uns darauf geeinigt, es mit ca. 8 Kindern als Projekt „Langtang-Kinder“ zu versuchen. Trotz eines erhöhten Patenschaftbeitrages aufgrund der zusätzlichen Unterkunftskosten konnten bereits 7 Kinder vermittelt werden. Es war bereits alles vorbereitet, um die Kinder im März/April 2020 – also zu Beginn des neuen Schuljahres in Nepal – einzuschulen. Aber dann kam Corona dazwischen. Monatelanger Lockdown, Schulschließungen, Online-Unterricht, verlängerte Ferien… Wir mussten die Einschulungen Monat um Monat verschieben.

NKH: Was hast du in dieser Zeit gemacht Lhakpa?

LHAKPA: Ich habe einige Schulen besucht oder mit ihnen telefoniert. Ich wollte einen guten Preis erreichen, weil wir ja mehrere Kinder einschulen. Während des ersten Lockdowns habe ich zudem geholfen, Lebensmittel hier in den Dörfern zu verteilen. Außerdem habe ich eine NGO gegründet.

NKH: Einfach mal so?

LHAKPA: Ich wusste, das NKH einen neuen Partner braucht. Ich wollte schon immer Kindern aus meiner Region helfen und ich hatte gerade Zeit. Ich kenne mich mit solchen Sachen nicht aus, aber ich habe im Internet recherchiert, viel gefragt und schließlich ein paar Freunde gefunden, die ebenfalls Lust hatten, sich zu engagieren. So habe ich einen Antrag auf eine NGO gestellt, ein Konto eröffnet, eine PAN-Nummer für Zahlungen beantragt, ein Logo entworfen und eigene Formulare. Und endlich habe ich mein Ziel erreicht und eine eigene Hilfsorganisation gegründet: die Riverkunda Helping Society (RHS). „Riverkunda“ ist einer der schönen Hochgebirgsseen im Langtang.

So viel Einsatz sollte belohnt werden, dachten wir und entschieden uns, für das Langtang-Projekt die RHS als „kleinen Partner“ einzusetzen. Fast zeitgleich zum Vertrag mit Himalayan Trust wurde der Vertrag mit RHS im April 2021 unterzeichnet.

Einige Eltern nahmen zwischenzeitlich wegen der Corona-Gefahren Abstand davon, ihre Kinder einschulen zu lassen. Andere Eltern wollten ihre Kinder erst recht ausbilden lassen. So betreut Lhakpa aktuell 10 Kinder. Trotz Lockdown, in dem es keinen Präsenzunterricht und große Schwierigkeiten beim Reisen gab, hat Lhakpa dafür sorgen können, 6 unserer Schüler einzuschulen:

LHAKPA: Anfangs war alles wirklich schwierig zu managen, wegen der weltweiten Pandemie. Ich wollte die Kinder so schnell wie möglich körperlich in die Schule aufnehmen lassen. Aber ich konnte es nicht. Ich habe aus der Ferne versucht, die Eltern, die Kinder und die Schulen zu kontaktieren und schließlich habe ich beschlossen, einige von ihnen für Online-Kurse zuzulassen.

NKH: Wir waren ja ein bisschen skeptisch, Schulanfänger online zu schulen.

LHAKPA: Alle 6 Kinder sind sehr glücklich und zufrieden mit der Klasse und sie haben mir auch gesagt, dass sie im Lockdown nichts tun hatten. Nun sind sie wieder aktiv und freuen sich, zu studieren. Jetzt bekommen sie 4 Stunden Unterricht pro Tag. 2 Unterrichtsstunden am Morgen und 2 Unterrichtsstunden am Abend. Und sie bekommen Hausaufgaben.

NKH: Geht denn das technisch in den Dörfern technisch überhaupt?

LHAKPA: Die meisten Familien haben mittlerweile Smartphones. Sie mussten mobile Ladekarten kaufen, um mobile Datenpaket für das Internet zu kaufen. Das klappt fast überall. Nur bei einem Kind war es nicht möglich. Die Eltern schlugen vor, das Mädchen bei Verwandten in Kathmandu unterzubringen. Jetzt kann auch sie online lernen.

NKH: Danke, Lhakpa, für dein Engagement! Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit!

LHAKPA: Ich habe jetzt schon so viel von NKH gelernt und es macht mir große Freude. Wir verändern die Zukunft von 6 Kindern und führen sie in eine strahlende Zukunft, indem wir ihnen Bildung bieten. Ich werde stets mein Bestes geben!

Wenn Sie gerne eine (Teil-)Patenschaft übernehmen wollen, schauen Sie doch mal bei unseren freien Patenschaften vorbei.

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