Interview mit Puspa
– das erste Kind in unserem Kinderhaus – (Stand November 2018)

Puspa4Im Jahr 2008 hat unser Verein – die Nepal Kinderhilfe e.V. – über unsere nepalesische Partnerorganisation ein Kinderhaus gegründet. Begonnen hatte alles mit wenigen Kindern. Mittlerweile sind aus diesen Kindern junge Erwachsene geworden, die fest im Leben stehen. Puspa G. war eines der ersten Kinder in unserem Mandala Childrenhome. Heute ist sie eine junge Frau. Wir wollten sie über ihre Erfahrungen und ihre Entwicklung befragen.

Detlev Günz ist Vereinsmitglied, Teil des Vorstandes und Hauptansprechpartner für das Mandala Kinderhaus. Er kennt Puspa schon einige Zeit und hat im November 2018 mit ihr gesprochen.

GÜNZ: Puspa, wir kennen uns nun schon seit 2013. Ich habe deine Entwicklung in den letzten Jahren daher ganz persönlich verfolgen können. Aber wie und wann bist du ins Kinderhaus gekommen?

PUSPA: Ich wurde in Gorkha geboren. Das ist die Region, in der das Epizentrum des Erdbebens 2015 gelegen hat. Als ich gerade 8 Jahre alt war, traf unsere kleine Familie ein großes Unglück: mein Vater starb. Somit konnten wir uns kaum noch etwas leisten. An Schulgeld war nicht mehr zu denken.

ANMERKUNG DER REDAKTION: Ehefrauen in Nepal sind mit dem Tod ihres Partners häufig von sofortiger Armut betroffen. Sozialleistungen gibt es nicht. Eine neue Partnerschaft ist traditionell weder gewünscht noch wird sie von der Witwe angestrebt.

Puspa2GÜNZ: Und wer ist dann auf die Idee gekommen, dich im Kinderhaus aufzunehmen?

PUSPA: Es war wohl der Direktor der Diamond School, der zu dieser Zeit das Projekt der Vermittlung von Schulpatenschaften kannte und sich an Mim Lal wandte. Mim Lal war gerade damit beschäftigt, das Kinderhaus aufzubauen. Er informierte sich über unsere Situation und nahm mich als drittes Kind in das Kinderhaus auf.

GÜNZ: Wie war deine erste Zeit in der neuen Umgebung?

PUSPA: Die Trennung von meiner Mutter, war schwer zu verkraften. Die ersten Jahre waren bestimmt nicht einfach für mich. Das wird auch Mim Lal bestätigen können.

GÜNZ: Und wie ging es mit der Schule?

PUSPA: Anfang wollte ich nicht so gern in die Schule. Das legte sich dann aber mit der Zeit. Und ich glaube, Mim Lal war froh, dass ich nach und nach weniger Probleme machte. Ich wurde von Jahr zu Jahr besser. Das motivierte mich. Ich war plötzlich gerne fleißig.

GÜNZ: Ja, auch im Kinderhaus hast du mehr Verantwortung für die Jüngeren übernommen.Puspa1

PUSPA: Jeder muss dort zwar mal mit anfassen, aber die kleineren Kinder sollen sich eben auf die Schule konzentrieren. So half ich bei ihren Hausaufgaben, im Haushalt und in der Küche.

GÜNZ: Und wie ging es mit deiner Schule weiter?

PUSPA: Ich konnte auf eine Higher Secondary School wechseln und schaffte einen guten 10 plus 2 – Schulabschluss.

ANMERKUNG DER REDAKTION: In Nepal sagt man nicht 12 Jahre Schulabschluss, sondern 10 plus 2.

GÜNZ: Wie lange hast du insgesamt im Kinderhaus gelebt?

PUSPA: Ich war 9 Jahre bei Onkel und Tante – also bei Mim Lal und seiner Frau Gita – im Kinderhaus. Mit 17 Jahren habe ich das Kinderhaus mit einer guten Schulausbildung verlassen.

GÜNZ: Was machst du jetzt bzw. wie stellst du dir deine Zukunft vor?

PUSPA: Ich fand, dass für eine gesicherte Zukunft noch mehr Ausbildung notPuspa3wendig ist. So habe ich mich für ein dreijähriges Studium am Ganesh Collage an der Management Fakultät entschieden. Hier macht sich bezahlt, dass ich eine Schule besucht habe, in der der gesamte Unterricht in Englisch erfolgt ist. Ich finanziere mir dieses Studium selbst durch eine Anstellung als Lehrerin für ganz kleine Kinder in der Sunrise School in Kathmandu.

GÜNZ: Was denkst du, wenn du auf deine Zeit im Kinderhaus zurück blickst?

PUSPA: Ich hatte eine wirklich schöne, unvergessliche Zeit im Kinderhaus mit dem Onkel und der Tante und den anderen Kindern. Ich erinnere mich sehr gerne an den gemeinsamen Ausflug 2016 mit allen nach Chitwan. Hier durfte ich nochmal so richtig Kind sein und zum Beispiel die Tante nass spritzen. Ab und an schaue ich auch jetzt noch im Kinderhaus vorbei.  Auch wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin: Ich bin Lehrerin und studiere.

Die Nepalkinderhilfe e.V. bedankt sich bei Detlev Günz und Puspa für das Interview. Wir danken beide für ihr Engagement und wünschen weiterhin viel Erfolg.

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