Interview mit Josiane Pletschette (Stand September 2018)

Als mehrfache Patin und engagiertes Mitglied bei der Nepal Kinderhilfe ist Josiane Pletschette eine große Unterstützung für unseren Verein. Regelmäßig findet sie sich auf den Mitgliederversammlungen ein, diskutiert und berät fleißig mit. Auch „außer der Reihe“ nimmt sie hierfür auch gerne den nicht unbedeutenden Fahrweg aus Luxemburg in Kauf. Wir haben sie über ihre Motivation und über die Beziehung zu ihren „Kindern“ befragt:

Josiane2bNKH: Josiane, Sie haben seit dem Jahr 2005 Patenkinder bei der NKH. Damit gehören Sie zu den allerersten Paten unseres Vereins! Wie sind Sie als Luxemburgerin auf unseren deutschen Verein für nepalesische Kinder gestoßen?

JOSIANE PLETSCHETTE: Ich hatte zuvor bereits Patenschaften bei verschiedenen Organisationen. Dies waren aber eher Projektpatenschaften. Auch das ist eine gute Sache. Aber ich wollte eine persönliche Patenschaft, die genau dem Kind zugutekommen sollte, was ich ausgesucht hatte. Wo findet man eine solche Patenschaft? Heutzutage ist es einfach, man findet alles im Internet. So bin ich auf die NKH gestoßen und ich war begeistert, ein kleiner Verein, gerade in den Startlöchern, mit Visionen wie ich sie mir auch vorstellte und genau das, was ich auch unterstützen wollte. „Nepal“ als Land war mir in dem Moment nicht so wichtig, es hätte auch ein anderes Land sein können. Inzwischen hat sich das geändert, mein Herz hängt an Nepal!

NKH: Erzählen Sie uns doch etwas über Ihre Patenkinder!

Josiane3JOSIANE PLETSCHETTE: Wichtig war mir, Kindern eine Schulausbildung zu ermöglichen. So übernahm ich zuerst die Patenschaft für den damals 9 jährigen Bikash. Dann für die 4 jährige Srijana. Und später kamen noch mehr Kinder hinzu (Josiane lacht).

In Nepal ist ein Schulgeld zu entrichten, dass sich viele Eltern nicht leisten können. Die Kinder erhalten erst dann die Möglichkeit zur Schule zu gehen, wenn sich ein Pate gefunden hat. So hat Bikash die Schule eben auch erst mit 9 Jahren angefangen. Inzwischen ist er 22 Jahre alt und hat die Schule erfolgreich abgeschlossen. Seit 2 Jahren ist er nun bei der Britischen Armee in England stationiert. Obwohl er nun kein Paten„kind“ mehr ist, habe ich immer noch einen schönen Kontakt zu Bikash. Er schickt regelmäßig Geld nach Hause und hilft so seiner Mutter und seinen Geschwistern.

NKH: Und das 4-jährige Mädchen?

JOSIANE PLETSCHETTE: Srijana war mein zweites Kind. Ich hatte das Glück, Srijana kennen zu lernen, als sie 5 Jahre alt war, damals war sie im Kindergarten, sie sprach noch kein Englisch, aber sie zeigte mir ganz stolz ihre Schule und ich konnte mich auch mit ihrem Lehrer unterhalten. Sie war von Anfang an sehr ehrgeizig. Inzwischen habe ich sie bereits 3 Mal besucht. Sie ist jetzt 18 Jahre alt und hat die 12. Klasse abgeschlossen. Normalerweise wäre auch diese Patenschaft damit beendet. Aber Srijana will studieren. Sie möchte Anwältin werden und ich bin sehr stolz, sie dabei unterstützen zu dürfen.

Josiane1NKH: Will Srijana dann auch ins Ausland gehen?

JOSIANE PLETSCHETTE: Nein! Sie wird Anwältin in Nepal und in ihrer Heimat dazu beitragen, dass die Welt auch in Nepal ein wenig gerechter wird. Ärzte, Anwälte, Lehrer, aber auch gute Handwerker werden so dringend gebraucht. Oft liest man, dass es besser sei, Projekte zu unterstützen, als einzelne Kinder. Da ist auch sicher etwas dran. Aber Srijana ist für mich der Beweis, dass so eine Schulpatenschaft ein voller Erfolg sein kann! Sie schreibt mir oft, wie dankbar sie mir ist, dass ich sie unterstütze, einerseits macht das mich froh, andererseits bekomme ich auch sehr viel zurück. (Josiane strahlt)

NKH: Haben Sie denn auch so engen Kontakt mit ihren anderen Patenkindern?

JOSIANE PLETSCHETTE: Nein, nicht mit allen. So einen intensiven Kontakt kann man ja auch nicht erzwingen. Nicht alle Kinder sind gleich offen und nicht alle Umstände sind gleich. So unterstütze ich seit vielen Jahren auch ein sehr schüchternes Mädchen namens Sajeena. Für sie bin ich fremd, daher ist es eben nicht so leicht für sie. Ein anderes Mädchen – Laxmi – lebt in Pokhara. Sie ist zwar aufgeschlossen, aber in Pokhara bin ich immer nur maximal an 2 Tagen pro Besuch. An diesen Tagen haben wir viel Spaß zusammen, aber eben nur während meinem Besuch. Danach ist der Kontakt lose, und das ist auch gut so. Es hat ja auch nicht jeder Pate die Möglichkeit, seine Patenkinder zu besuchen. Aber durch die Infos aus der Internetseite oder auf Facebook, durch Bilder, Briefe und Geburtstagswünsche kann man „seine“ Kinder sehr gut begleiten und an ihrem Leben teilnehmen.

NKH: Also muss man als Pate auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn man sich nicht so intensiv um Patenkinder kümmern kann?

JOSIANE PLETSCHETTE: Bestimmt nicht. Jede Patenschaft zählt! Es geht in erster Linie ja nicht um das Aufbauen von Freundschaften, sondern darum, Kindern eine Schulausbildung zu ermöglichen! Es gibt ja auch Konstellationen, da hat man sein Patenkind gar nicht so lange. Kabir z. B., ein elternloses Kind, ist mit seinem Onkel nach Indien ausgereist. Susmita und ihre Schwester mussten aus dem Programm genommen werden, da der Vater sie nicht mehr zur Schule gehen lassen wollte. Wenn man dann einen innigen Kontakt aufgebaut hat, wäre es zu schwer sowohl für den Paten als auch für das Kind. 
Wer keine persönliche Bindung möchte und trotzdem unterstützen will, kann über die NKH ja z. B. auch für das «Mandala Children Home» spenden. Das ist ein Kinderheim der NKH. Diese Kinder haben neben der Schulausbildung noch das große Glück, in einer wunderbaren Familie aufwachsen zu dürfen mit ihrem «Uncle» und ihrer «Auntie», die für sie sorgen wie für ihre eigenen Kinder.

Durch „meine“ Kinder habe ich zudem ein wunderschönes Land, eine fremde Kultur und sehr liebenswerte Menschen kennen gelernt. Diese Begegnungen haben mich geprägt und ich bin sehr stolz, einigen jungen Menschen eine Hand zur Hilfe reichen zu dürfen.

NKH: Dankeschön für das Interview. Und vielen Dank für Ihr Engagement im Verein und als Patin.

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