Pemba, Pasang und Dechen Tamang vor dem Erdbeben Wenn mir jemand vor 6 Wochen gesagt hätte, dass ich als „Projektleiterin“ hier stehen würde, hätte er erstaunte Blicke geerntet, bestenfalls. Ich habe mit Nepal noch nie zu tun gehabt. Was Berge angeht, reicht mir der Harz, und in der Entwicklungshilfe dilettiere ich normalerweise auch nicht herum. Mein Name ist Heike-Johanna Jahns.
 
Gemeinsam mit meinen beiden Mitstreiterinnen, Ökonomierätin Eda Jahns, MdL a.D., Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und Phalada Müller, haben wir uns vorgenommen, mit unserer Idee eine besondere Zielgruppe in Nepal anzusprechen und Hilfe zu leisten.
 
Wir möchten den Erdbebenopfern helfen, die aufgrund ihrer schweren Verletzungen künftig auf fremde Hilfe angewiesen sind. Wir wollen dafür sorgen, dass ein Familienverbund bestehen bleibt und betroffene Kinder gut versorgt werden.

Unsere Geschichte beginnt traurig. Ein Besuch der Freundin aus Köln mit den Kindern ist über die Maifeiertage geplant. Aber ein paar Tage zuvor war das Erdbeben in Nepal, und zu den wenigen Deutschen, die sich ein paar Tage später noch nicht gemeldet haben, gehört ein Freund. Für Verwandte und Freunde beginnen quälende Tage, an denen sie im Netz festhängen und nach Hinweisen zu seinem Verbleib fahnden. Bis schließlich traurige Gewissheit eintritt: Der Freund ist doch nach Langtang gefahren und wurde dort ein Opfer der Lawine.

Bei dieser Suche stießen wir auf ein Zeitungsfoto, das uns nicht mehr aus dem Kopf ging.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Next to Tamang in a makeshift bed is Chunchok Tamang, 29, paralysed from the waist down after a rock hit her. Her one-year-old daughter plays nearby. Her husband and mother-in-law were killed. “I survived because I wasn’t inside the house,” she adds, “but my entire family is gone, where will I go with this little one?” (Quelle: Nepali Times)

Chumchoc Tamang, Mutter dreier Töchter, war an diesem Morgen in Kjanyin geblieben, einem kleinen Dorf oberhalb von Langtang. Die Familie Tamang betrieb dort ein kleines Gästehaus für Wanderer. Ihr Mann war nach Langtang aufs Feld gegangen.

Frau Tamang war mit den Kindern draußen, als die Druckwelle kam und ihr ihr einjähriges Mädchen, Pemba, aus den Armen riss. Das Kind flog regelrecht weg. Frau Tamang rannte hinterher, um es zu retten. Dabei wurde sie von einem Felsen getroffen. Ihr Rückgrat brach und Frau Tamang verlor das Bewusstsein. Pemba wurde eine Stunde später unbeschadet im Geröll gefunden. Das Dorf wurde durch die Druckwelle komplett zerstört. Im Haus starben ihre Schwiegereltern. Herr Tamang wurde in Langtang verschüttet.

Frau Tamang wurde schwer verletzt zwei Tage später nach Kathmandu ausgeflogen. Sie durfte Pemba mitnehmen, weil sie das Baby noch stillte. Ihre beiden älteren Kinder, Pasang (5) und Dechen (4) musste sie jedoch alleine im zerstörten Dorf, auf 4.000 m Höhe, zurücklassen. Die beiden kleinen Mädchen warteten dort drei Wochen auf den Vater, der jedoch niemals wiederkam. Dann wurden auch sie gerettet und nach Kathmandu gebracht.

Frau Tamang hat ihren Mann, ihre gesamte Familie und ihre Existenzgrundlage verloren und ein gebrochenes Rückgrat - wie soll sie ihre drei kleinen Kinder ernähren? Jede Mutter, jeder Vater wird sich die Not dieser Frau vorstellen können.

Wir sind selber auch Mütter und nach ein paar Tagen haben wir den Entschluss gefasst, dieser gepeinigten Familie zu helfen.

 

Alle Fotos: Pasang Bhutti, siehe auch www.langtangdisaster.org

Langtang war ein hochgelegenes, hübsches Dorf in Nepal, ein beliebtes Ziel für Trekkingtouren. Das Tal stand unter Naturschutz, und ca. 5oo Einwohner hatten durch Landwirtschaft und Tourismus ihr bescheidenes Auskommen.

Bis diese Welt am 25.04.2015 unterging. Das ca. 1-minütige, starke Erdbeben löste im angrenzenden Gebirge eine gewaltige Eis- und Schlammlawine aus, die zu Tal rutschte und das gesamte Dorf unter sich begrub. Bereits die Druckwelle, die der Lawine vorausging, war so stark, dass die Bäume auf der anderen Talseite entrindet wurden.

In Langtang überlebten eine knappe Handvoll Menschen.

Langtang vor dem Erdbeben

Langtang nach dem Erdbeben  Langtang nach dem Erdbeben

Langtang nach dem Erdbeben  Langtang nach dem Erdbeben

In dieser Lawine kam auch ein Freund ums Leben, der durch das Langtang-Tal gewandert war. Er wurde zunächst vermisst, bis er schließlich als 5. deutsches Opfer gefunden wurde.

 

Alle Fotos: Pasang Bhutti, siehe auch www.langtangdisaster.org

13.07.2015

Die Arbeit im Projekt "Family Shelter" kann aufgenommen werden!

 

Einige Tage sind vergangen, bis wir ein geeignetes Objekt gefunden haben, um die ersten Bewohner für unser Projekt "Family Shelter" aufnehmen zu können.

Das Ganze haben wir mit der Unterstützung von Tsering Lhakpa Tamang realisieren können, einer jungen Frau aus Langtang, die bei dem großen Erdbeben ihre Eltern verloren und die sich nun in den Dienst von "Family Shelter" gestellt hat. Hier wird sie Chumzo, die junge Mutter mit ihre drei kleinen Kindern, pflegen, da diese bei dem Erdbeben schwer verletzt wurde und kaum Aussicht auf Heilung hat. Family Shelter wird ihre neue Heimat sein, in der sie nun nicht mehr im Zelt liegend, dem Monsunregen ausgesetzt, auf Hilfe hoffen muss.

In Swayambunath, nahe dem Zeltlager, in dem die verbliebenen Bewohner aus Langtang auf ihre Rückkehr ins Langtang Valley hoffen, habe wir eine schöne, neue Wohnung gefunden. Im Erdgeschoss haben wir 5 Zimmer, incl. Bad und Küche.

Am kommenden Freitag werden wir einziehen können, bis dahin hat Tsering alle Hände voll zu tun, die noch leere Wohnung bewohnbar zu machen und ein Wirtschaften in der Küche zu gewährleisten. Die ersten Spendengelder sind dafür verwendet worden, die Wohnung anzumieten und die notwendige Einrichtung und die ersten Küchengeräte anzuschaffen.

Tsering ist 21 Jahre alt, hat ihr SLC (School Leaving Certificate) und will künftig auch weiterhin die Schulbank drücken, um Ihre fremdsprachlichen Fähigkeiten auszubauen, so sie dann ihr Tagewerk im Family Shelter vollbracht hat. Wir haben Tsering eine langfristige Perspektive im Rahmen des Projektes eröffnet und geben damit auch ihr, die in Langtang alles verloren hat, eine neue Zukunft.

Die angemietete Wohnung wird erst einmal eine Übergangslösung sein, denn wir schauen uns aktuell gezielt um, ein ausbaufähiges Objekt im Kathmandu-Tal zu finden oder ein bezahlbares Grundstück zu finden, auf dem wir dann ein Haus bauen können, dass dem Family Shelter Konzept entspricht und zukunftsweisend vielen Menschen, wie Chumzo, eine behütete Umgebung geben wird.

Vielen Dank an Tsering und an alle Spender, mit deren Hilfe wir diesen ersten Schritt gehen können. Wir werden über den weiteren Fortschritt des Projektes gerne berichten.

 

Family Shelter - dafür machen sich stark:

Johanna Jahns Heike-Johanna Jahns
 
Auf dem Bohnenkamp 89
28197 Bremen
Eda Jahns Ökonomierätin Eda Jahns
MdL a.D.
Trägerin des Bundesverdienstkreuzes
 
Fichtenstr. 4
57537 Wissen/Sieg
Phalada Müller Phalada Müller
 
Lacher Broch 1a
51067 Köln

Wir danken Ihnen herzlich für ihre Mithilfe!

Damit die von uns unterstützten Menschen auch dauerhaft betreut werden können und die Zahl der betreuten Familien vielleicht sogar wachsen kann, benötigen wir auch weiterhin Ihre Hilfe.

Wir bieten Ihnen zwei Möglichkeiten an, für "Family Shelter" zu spenden:

1. Ihre Überweisung an:

Bankname : Volksbank Viersen eG
Konto : 20 12 15 10 15
BLZ : 314 602 90
IBAN : DE18314602902012151015
SWIFT / BIC : GENODED1VSN
Kennwort : Family Shelter
 
Wichtig : Denken Sie daran Ihre Adresse anzugeben, falls Sie eine Zuwendungsbescheinigung benötigen.
Sie können uns hier auch gleichzeitig eine E-Mail schreiben, in der Sie Ihre Adressangaben mitteilen.

2. Sicher und einfach über unser Spendenportal:

Wir danken Ihnen herzlich für ihre Spende!